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Tipps aus der Praxis, die wirklich weiterhelfen

Verstehen Sie Stellenanzeigen?

Stellenanzeigen sind sowohl Werbung für Arbeitgeber als auch gängiges Instrument im Recruiting. Das passt nicht immer zusammen. Es gibt so einiges, worauf Bewerber achten sollten, um unliebsame Überraschungen zu vermeiden.

Viele Propheten der modernen Personalbeschaffung mögen es kaum glauben, aber Stellenanzeigen sind immer noch nicht von der Bildfläche verschwunden. Zwar ist die Bedeutung klassischer digitaler Jobportale in den letzten zwei Jahrzehnten zurückgegangen, aber nach wie vor sind sowohl generalistische als auch viele spezialisierte Stellenbörsen der erste Anlaufpunkt für suchende Arbeitnehmer. Doch die tun sich schwer, die (Un-)Logiken des Stellenmarktes zu begreifen und die Codes in den Anzeigen zu dechiffrieren.

Zur bitteren Wahrheit gehört für viele Jobsuchende, dass nicht jede Stellenanzeige bedeutet, dass ein Arbeitgeber eine Stelle zu besetzen hat. Die Stellenanzeige ist viel mehr eine besondere Form der Werbung, durch die sich Unternehmen positiv darstellen können. Sie zeigen damit, dass es ihnen gutgeht, dass sie wachsen und prosperieren. Geschätzt ein Drittel – in der Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit sogar noch deutlich mehr – aller Stelleanzeigen dienen ausschließlich der Eigenwerbung.

Die gängigen Lockmittel der Beschönigung

Durchschauen lässt sich das nur selten. Das zentrale Signalwort ist häufig der Titel der imaginären Position. Vieles, was dem Zeitgeist entspricht und gerade bei aktuellen Absolventen und sinnsuchenden Bewerbern hoch im Kurs steht, ist manchmal leider nur ein probates Lockmittel. Bewerber sollten außerdem vorsichtig sein, wenn die Eigendarstellung deutlich mehr Raum einnimmt als die Stellenbeschreibung. Auch wenn unter Profil kein Bildungsabschluss und kaum Hard Skills erwähnt werden, dafür zahlreiche Soft Skills, ist es höchste Zeit, argwöhnisch zu werden.

Mitunter nimmt ein Arbeitgeber sehr hohe Bewerberzahlen in Kauf. Wer eine Software einsetzt, die automatisch Eingangsbestätigungen und Absagen erstellt, hat damit keine zusätzliche Arbeit. Andere Arbeitgeber streben dagegen viele Bewerbungseingänge an. Denn die zu besetzende Stelle ist nicht das, was in der Anzeige suggeriert wird, sondern tatsächlich deutlich unattraktiver hinsichtlich Aufgaben, Arbeitsumgebung und oder Entlohnung. Die Hoffnung besteht darin, dass unter den vielen Bewerbern dann doch ein paar dabei sind, die sich auf diese schlechtere Alternative einlassen.

Grundsätzlich gilt: Je geringer die fachlichen Anforderungen der angeblichen Stelle, desto größer kann der Harken sein, der sich dahinter verbirgt. Das gilt in erster Linie für gut ausgebildete und erfahrene Arbeitnehmer. Wer sich selbst nicht dazu zählt, kann natürlich solche Stellenanzeigen als Chance begreifen. Nur die Erwartungen daran sollte man nicht allzu hoch hängen, um hinterher nicht enttäuscht zu sein.

Gängige Codes und ihre ungefähren Bedeutungen

Ähnliches gilt mit Blick auf die Formulierungen in der Stellanzeige. Manchmal orientieren sie sich am Makler-Sprech, in dem Immobilien mit Manko angepriesen werden. Die gängigen Klassiker sind:

Wir suchen einen hochmotivierten Mitarbeiter: Wenn Sie nicht jede Menge Eigenmotivation mitbringen, werden Sie nicht lange bei uns bleiben. Denn von unserer Seite gibt es nichts, was Sie motivieren könnte.

Sie sin ein belastbarer Teamarbeiter: Wir verlangen viel, vor allem keine Widerworte. Und daran wird sich so schnell auch nichts ändern, also erwarten Sie bloß keine Beförderung innerhalb der nächsten zwei Jahre. Ach ja, dann endet auch die sachgrundlose Befristung, so ein Zufall.

Wir garantieren eine leistungsgerechte Bezahlung: Na klar, ein wesentlicher Anteil am Lohn ist variabel. Aber wir definieren selbst, was Leistung ist. Und wenn Sie die nicht bringen, sind Sie selbst schuld, wenn Sie mit dem Gehalt unzufrieden sind. Das ist nur gerecht!

Verstärken Sie in unser junges Team: Jeder, der älter als 35 ist, wird direkt ausgesiebt.

Wir bieten flache Hierarchien: Auch wenn Sie bei uns keine Führungsposition innehaben, erhalten Sie mehr Verantwortung, als Ihnen lieb sein könnte. Und halten Sie sich an die Berichtslinie, spätestens freitags um Punkt 13.00 Uhr legen Sie stets die Zahlen der Woche vor!

Zugegeben, das ist etwas plakativ und ein wenig zugespitzt. Allerdings stehen diese Beispiele stellvertretend für das Gestaltungsprinzip fadenscheiniger Stellenanzeigen. Gut für alle, die sich mit solchen Angeboten nicht (mehr) befassen müssen. Aber auch sonst gilt, Stellenanzeigen zu analysieren und korrekt zu interpretieren, um sich gegebenenfalls Arbeit für eine chancenlose Bewerbung sparen zu können.

Auch seriöse Stellenanzeigen sollten analysiert und interpretiert werden

Es ist immer hilfreich, selbst eine Vorstellung davon zu entwickeln, nach was für einer Persönlichkeit ein Arbeitgeber wohl sucht. Sehr häufig haben Unternehmen schon klare Vorstellungen entwickelt, die in den Stellenanzeigen nur teilweise gespiegelt werden. Das hat dann nicht nur mit dem sogenannten Anti-Diskriminierungsgesetz zu tun. Aber niemand sollte so naiv sein und glauben, einem Arbeitgeber wäre es egal, ober der geeignete Bewerber 25 oder 55 Jahre jung ist. Und sehr häufig hat man sich auf Unternehmensseite auch schon Gedanken zum Geschlecht (empirisch gesehen eher „Sex“ als „Gender“) gemacht.

Stellenanzeigen interpretieren zu können ist eine Fähigkeit, die Übung und Erfahrung voraussetzt. Die inhaltliche Analyse basiert meist auf den Kenntnissen des Arbeitsmarktes und der jeweiligen Branchengepflogenheiten. Nicht immer ist es eine gute Idee sich zu bewerben, wenn man 70% der Anforderungen erfüllt (was nicht bedeutet, sich dem Luxus hinzugeben und sich nur bei mindestens 90% zu bewerben). Und nicht immer sollten Bewerber über zentrale Anforderungen nonchalant hinweggehen.

Manchmal ist es sogar erforderlich, in der eigenen Bewerbung auf Aspekte einzugehen, die sich nicht auf die Stellenanzeige beziehen. Denn das kann die Chancen, zum Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden, deutlich erhöhen.

Kommentare

3 Antworten zu „Verstehen Sie Stellenanzeigen?“

  1. […] erst dann feststellbar, wenn wir die ganz konkreten Arbeitsbedingungen kennengelernt haben. Die Angaben in den Stellenanzeigen sind oft nur eine geschönte Perspektive des Arbeitgebers und insgesamt nicht mehr als ein erster […]

  2. […] in der Gruppe Ü 55 ist es eine enorme Herausforderung, eine Arbeitslosigkeit über Bewerbungen auf ausgeschriebene Stellen zu beenden. Ähnliches gilt für die Auftragsakquisition freier Mitarbeiter, die ihr Knowhow oft […]

  3. […] mit uneindeutigen Jobtiteln und anderen Phrasen durch den Arbeitgeber. Die dann erforderliche Kontextanalyse der Stellenanzeige kann KI meist schneller und effizienter […]

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