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Bewerbungen und Karriere erfolgreich gestalten

Tipps aus der Praxis, die wirklich weiterhelfen

Wie Sie ohne Initiativbewerbungen die Chancen des verdeckten Arbeitsmarkts nutzen

Initiativbewerbungen stellen für viele ambitionierte Erwerbstätige kein bewährtes Mittel dar, um an einen attraktiven Job zu kommen. Das bedeutet nicht, dass Eigeninitiative und proaktives Vorgehen verzichtbar wären – ganz im Gegenteil.

Geschätzt zwei Drittel aller zu besetzenden Stellen werden nicht über veröffentlichte Stellenanzeigen vergeben. Zugang zu diesem verdeckten Stellen- bzw. Arbeitsmarkt zu bekommen und zu erhalten sollte daher im Eigeninteresse aller Erwerbstätigen sein. Leider taugt das Mittel der Initiativbewerbung nicht für alle Erwerbstätige jenseits der klassischen Mangelberufe vor allem im sozialen Sektor, Handwerk, Hotellerie/Gastronomie und in vielen (informations-)technischen Tätigkeiten.

Personalern fehlt of die Zeit für Initiativbewerbungen

Ein wesentlicher Grund ist die Überlastung vieler Personaler und Recruiter, die oft gar keine Zeit finden, neben ihrem Tagesgeschäft auch noch Initiativbewerbungen imaginären Stellen zuzuordnen. (Das gilt selbst dann sehr oft, wenn Arbeitgeber auf ihrer Webseite explizit zu Initiativbewerbungen ermuntern.) Denn mit der Besetzung der ausgeschriebenen Stellen sind sie meist schon völlig ausgelastet, was auch an der geringen Automatisierung in der Personalbeschaffung liegt.

Hinzu kommt, dass viele Initiativbewerbungen grottenschlecht sind, weil Bewerber in erster Linie vermitteln, was sie suchen anstatt zu kommunizieren, was sie bieten. Wer ginge denn schon in ein Restaurant, wenn in der Speisekarte nur stünde, dass der Patron zechfreudige Gäste mit einem Riesenhunger sucht? Wem das einleuchtet dürfte dann auch verstehen, dass es in Initiativbewerbungen darauf ankommt, mit wenigen klaren Sätzen zu kommunizieren, was der Bewerber sozusagen in der Auslage hat.

Wenn überhaupt hilft nur der qualitative Ansatz passgenauer Initiativbewerbungen

Das setzt wiederum eine gewisse Form der Empathie voraus, denn schließlich sollte der Bewerber genau das bieten, was der Arbeitgeber höchstwahrscheinlich gebrauchen kann. Solche passgenauen Bewerbungen machen Arbeit und kosten Zeit. Doch das ist das Mindeste, was jemand investieren muss, wenn er über diese Taktik etwas erreichen will.

Wer dagegen auf die quantitative Karte setzt, braucht sich nicht zu wundern, wenn der Rücklauf gleich null ist. Aber selbst sehr gute Initiativbewerbungen laufen in aller Regel ins Leere, wenn ihnen nicht spätestens in der Folgewoche der Follow-up-Anruf folgt. Das ist dann wie Klinkenputzen und oft ernüchternd, da die allermeisten Anrufe nicht wie gewünscht verlaufen.

Damit nicht genug: Die meisten attraktiven Positionen werden grundsätzlich ausgeschrieben. Das bedeutet, dass sich selbst erstklassige Bewerber mit Initiativbewerbungen keinen Vorteil verschaffen, wenn sie dem Arbeitgeber sonst unbekannt sind. Denn dort will man in aller Regel schauen, was der Markt derzeit so hergibt und dann eine Auswahl vornehmen. Noch ernüchternder sind Ausschreibungen pro forma – Bewerber können meist gar nicht erkennen, dass sie chancenlos sind.

Personal Branding und Networking sichern den Zugang zum verdeckten Arbeitsmarkt

Wer also nicht die Vorteile eines sogenannten Arbeitnehmermarktes – in Branchen mit Fach- bzw. Arbeitskräftemangel – für sich nutzen kann, sollte anders vorgehen. Im Kern geht es um die Entwicklung einer gut durchdachten Selbstvermarktungsstrategie, die als wesentliche Komponenten Personal Branding und Networking umfasst. Zu beidem habe ich mich an dieser Stelle schon oft und intensiv geäußert.

Häufig höre ich in diesem Zusammenhang: Zeitlich zu aufwendig, das meiste bringt überhaupt nichts, ich habe beruflich und familiär schon genug zu tun. Für mich sind das typische Rufe aus dem Hamsterrad, wo die dringenden Aufgaben vor den wichtigen erledigt werden, obwohl es umgekehrt sein müsste. Noch einmal: Es geht um den verdeckten Stellenmarkt und damit um den Löwenanteil des Arbeitsmarktes. Wer dessen Chancen nur passiv nutzen möchte, unterschätzt entweder die Dynamiken der Arbeitswelt. Oder kann es sich leisten, weil die erfüllende Karriere ein Selbstläufer ist.

Und selbst wenn nicht fangen die meisten Erwerbstätigen mit proaktiver Selbstvermarktung erst an, wenn es zu spät ist. Dabei wirkt Selbstvermarktung nur auf lange Dauer und nicht punktuell. Es geht darum, bei anderen einen bestimmten Eindruck zu erzeugen und diesen Eindruck durch eine konsequente Werte- und Wissensbotschaft festigen. Das setzt voraus, dass Sie

  • Ihre Stärken kennen und genau wissen, wofür Sie stehen
  • Ihr Ziel fest im Blick haben, im besten Fall drei bis fünf Jahre im Voraus
  • die Akteure und Gepflogenheiten der Branche kennen, in der Sie tätig sein möchten.

Beim proaktiven Bewerben ist der Versand des Lebenslaufs nur eine Formalität

Gerade in der Gruppe Ü 55 ist es eine enorme Herausforderung, eine Arbeitslosigkeit über Bewerbungen auf ausgeschriebene Stellen zu beenden. Ähnliches gilt für die Auftragsakquisition freier Mitarbeiter, die ihr Knowhow oft projektbezogen bzw. zweckgebunden innerhalb einer Organisation einbringen. Zugegeben: Auch ich verschicke hin und wieder noch einen Lebenslauf, aber nicht weil ich hoffe, dass er ein Türöffner ist.

Der Versand des Lebenslaufs ist tatsächlich nur die letzte formale Komponente eines Prozesses, dessen Ausgang schon längst vereinbart wurde. Weil ich auf andere zugehe, mich selbst ins Gespräch bringe oder ins Gespräch gebracht werde. Weil ich mir meiner besonderen Fähigkeiten bewusst bin und mein klares Profil transparent mache. Und weil ich weiß, wie meine Zielgruppe von mir profitieren kann und ich meine Darstellung genau darauf ausrichte.

Das ist proaktives Bewerben ohne Initiativbewerbungen. Wem das zu weit weg erscheint, dem versichere ist: Die erforderliche Haltung kann entwickelt werden, ohne Authentizität einzubüßen. Und die Techniken sind erlernbar, weil das alles keine Raketenwissenschaft ist. Nur die Motivation dafür müssen Sie schon selbst mitbringen.

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