Wie Sie mit Soft Skills in Bewerbungen überzeugen

An Soft Skills scheiden sich die Geister: Wie wichtig sind sie für überzeugende Bewerbungen? Und wie können Bewerberinnen und Bewerber sie überzeugend darstellen?

Alleine schon der Begriff könnte eine gewisse Voreingenommenheit zeigen. Denn weiche Fähigkeiten, so die wörtliche Übersetzung, könnten eine gewisse Herablassung bedeuten. Dagegen stehen die Hard Skills, was manch einen eher an harte Fakten als an harte Fähigkeiten denken lässt. Aber in der Wahrheit ist es noch viel komplizierter: Wie verhält es sich denn nun im Berufsleben und Bewerbungen mit den vielbeschworenen Soft Skills, also den persönlichen Stärken?

Klären wir zunächst das Adjektiv. Weich bedeutet entgegen der Vermutung eben keine Herabwürdigung, sondern umschreibt einen gewissen Interpretationsspielraum, da diese Fähigkeiten nicht eindeutig definiert sind. Was bedeutet denn schon Teamfähigkeit? Und Organisationsfähigkeit lässt sich auf sehr unterschiedliche Arten deuten: Einerseits kann es die Kompetenz bedeuten, sich selbst zu organisieren. Andererseits bekommt die Fähigkeit für viele Erwerbstätige erst dann eine besondere Relevanz, wenn es auch andere miteinschließt. Beispielsweise als Leiterin eines internationalen Multi-Stakeholder-Projekts mit drei Jahren Laufzeit und mehr als 10 Mio. Euro Budget.

Warum Soft Skills in den Bewerbungsunterlagen meist nichts verloren haben

Soft Skills müssen also fast immer erläutert werden, wenn sie als Personalerinnen und Personaler wirken sollen. Denn sonst geht von ihnen keine Wirkung aus. Wenn ich Bewerbungsanschreiben und Lebensläufe lese, in denen Bewerber angeben, sie seien belastbar, zielstrebig und flexibel, dann erzeugen sie bei mir nur ein Achselzucken. Denn das kann alles Mögliche bedeuten. Konsequenter Weise müssten Bewerber ihre Soft Skills immer erläutern, nur das würde viel zu viel Text produzieren, den am Ende sowieso niemand lesen kann, weil dafür vielen Recruitern einfach die Zeit fehlt.

Insofern empfehle ich den meisten meiner Klientinnen und Klienten, auf Soft Skills in den schriftlichen Bewerbungsunterlagen getrost zu verzichten. Ausnahmen sind oft alle jene, die nicht auf ihre fachlichen Fähigkeiten und Erfahrungen setzen können, weil (noch) keine da sind. Und Personen, bei denen die Soft Skills beruflich so zentral geworden sind, dass sie sich zu Hard Skills entwickelt haben. Dieses Umdenken lässt sich zum Beispiel ganz gut auf die Kommunikationsfähigkeit anwenden, aber nicht nur.

(Einzel-)Beispiele eigenen sich kaum zur Darstellung von Soft Skills

Und dadurch können Sie vielleicht schon erkennen, dass Soft Skills in Vorstellungsgesprächen eine große Rolle spielen. Umgekehrt verhält es sich übrigens mit den Hard Skills: Sie sind sozusagen die Eintrittskarte für ein Vorstellungsgespräch. Die meisten Bewerberinnen und Bewerber können also davon ausgehen, dass ihnen der potentielle Arbeitgeber die Tätigkeit fachlich grundsätzlich zutraut, sonst hätte er sie nicht eingeladen. Deshalb gilt: Während im ersten Teil des Bewerbungsprozess die überwiegend fachlichen Anforderungen des Stellenprofils mit dem fachlichen Bewerberprofil abgeglichen wird, geht es im zweiten Schritt darum, den Menschen hinter dem Bewerber kennenzulernen.

Ein wichtiger Teil der Vorbereitung auf Vorstellungsgespräche besteht also darin, gute Erläuterungen für Soft Skills zu entwickeln. Leider geht dabei so manches schief. Nicht selten entwickeln Bewerberinnen und Bewerber Plattitüden und stellen Selbstverständliches als große persönliche Qualität dar. Andere wiederum versuchen, ihre persönlichen Stärken an (Einzel-)Beispielen darzustellen. Doch dieser Schuss geht meist sogar nach hinten los. Denn wenn mir jemand mit zehn Jahren Berufserfahrung im Vertrieb so seine Kundenorientierung erläutern möchte, werde ich eher misstrauisch.

Worauf erfahrene und worauf junge Bewerber achten sollten

Daher sollten gerade erfahrene Bewerberinnen und Bewerber eher dazu übergehen, ihren Lebenslauf ein Stückweit für sich sprechen zu lassen und davon ausgehend ihre Soft Skills allgemeiner darzustellen. Es geht auch vielmehr um das generelle Auftreten, die Souveränität im Gespräch, wie sehr sie sich dem Gegenüber zuwenden und wie sie gegebenenfalls auf kritische Fragen reagieren. Wie sie von ihrem Gegenüber als Persönlichkeit wahrgenommen werden, hängt in erster Linie von der Körpersprache und, nur etwas weniger, von der Parasprache ab.

Jüngere Bewerberinnen und Bewerber haben es da schon etwas schwerer. Häufig – aber nicht immer, da ist der Arbeitsmarkt zu heterogen – punkten sie mit Einsatzbereitschaft und einer gut begründeten Motivation sowohl im Bezug auf die Position als auch auf den Arbeitgeber (auch wenn hat mit den persönlichen Stärken nicht allzu viel zu tun hat). Unabhängig davon, mit welchen Soft Skills Berufsanfänger punkten wollen: Sie sollten dabei authentisch bleiben, weil das wiederum die Glaubwürdigkeit insgesamt unterstreicht.

Punkten Sie mit ungewöhnlichen Soft Skills!

Ob jung oder alt, erfahren oder unerfahren: Am besten fahren Sie damit, auf Soft Skills zu setzen, die eher ungewöhnlich sind, aber trotzdem einen großen Vorteil für die Position sind. Weil sie von anderen Bewerbern wohl eher nicht verwendet werden und selbst einen erfahrenen Recruiter überraschen. Beispiele:

  • erfahrene Arbeitnehmer, die bewusst auf ihre Lernfähigkeit und Flexibilität verweisen (was für Jungspunde völlig selbstverständlich ist)
  • Buchhalter, die zeigen, warum ihre Kommunikationsfähigkeit so wichtig ist (was für Kundenbetreuer selbstverständlich wäre)
  • Programmierer, die auf ihre Kreativität verweisen (was für Grafikdesigner selbstverständlich sein dürfte)

Wie auch immer: Bei den meisten Arbeitgebern schlagen am Ende des Tages die Soft Skills die Hard Skills. Das liegt daran, dass kleinere bis mittelschwere fachliche Defizite fast immer ausgeglichen werden können, etwa mit einer guten Einarbeitung oder einer Fortbildung. Das kann man über Persönlichkeitsdefizite dagegen nicht sagen. Lesen Sie im zweiten Teil im Juni, warum Soft Skills im Berufsleben auch darüber hinaus immer wichtiger werden und wie Sie für sich ein noch besseres Bewusstsein für ihre persönlichen Stärken entwickeln können.

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