Auf die Motivation kommt es an

Je attraktiver die Stelle, desto größer die Anzahl guter Kandidaten. Dann wird es schwierig, sich mit den Bewerbungsunterlagen gegen eine starke Konkurrenz durchzusetzen. Die Darstellung einer überzeugenden Motivation macht dann den Unterschied.

Logik ist mitunter unbestechlich: Wo Fachkräfte fehlen, gibt es weniger Bewerber. Arbeitgeber können in manchen Branchen also nicht besonders wählerisch sein. Umgekehrt gibt es aber auch zahlreiche Bereiche, in denen die Stellen zumindest von außen derart attraktiv erscheinen, dass sie mitunter eine dreistellige Zahl an Kandidaten anziehen. Dann werden Arbeitgeber meist recht anspruchsvoll – und das gilt auch in der Sichtung der Bewerbungsunterlagen.

Stellenbezug ist nicht gleich Tätigkeitsbezug

Mit den Bewerbungsunterlagen müssen Bewerber in erster Linie darlegen, dass sie den fachlichen Anforderungen der jeweiligen Stelle bestens entsprechen. Manchmal werden sie auch mit bestimmten Erwartungen an den Werdegang kombiniert. Das ist die notwendige Bedingung – oder die Eintrittskarte – für die nächste Phase, das Vorstellungsgespräch. Abgesehen von dem Gesamteindruck der Unterlagen – also Design, formale Gestaltung, Vollständigkeit etc. – kann im Anschreiben der Verweis auf die individuelle Motivation bereits den Unterschied machen. Das gilt vor allem dann, wenn es sonst keine wesentlichen (fachlichen) Unterschiede zwischen den Bewerbern gibt.

Denn durch die Motivation kann der individuelle Stellenbezug klargemacht werden. Dabei unterläuft vielen Bewerbern ein entscheidender Fehler, in dem sie eine Komponente völlig außer Acht lassen. Denn der Stellenbezug setzt sich aus Tätigkeitsbezug und Arbeitgeberbezug zusammen. Letzterer fällt meistens unter den Tisch, weshalb der Stellenbezug auf den Tätigkeitsbezug reduziert wird. Das ist allerdings ein fataler Irrtum und kann in engen Rennen tatsächlich ausschlaggebend sein.

Warum vielen der Arbeitgeberbezug schwerfällt

Zugegeben, es ist ja auch nicht leicht! Wenn Erwerbstätige nach Stellen suchen, dann wird das Interesse meist über den Titel der Position und das damit zusammenhängende Profil geweckt. Viele bewerben sich, weil sie schlicht und ergreifend das tun möchten, was in der Stellenanzeige beschrieben wird. Und das ist ja auch völlig legitim und so zentral, dass die Frage, wer denn da einen neuen Beschäftigten sucht, für viele Bewerber zunächst gar nicht so relevant ist. Außerdem sind viele Bewerber doch recht flexibel und können sich völlig zu Recht vorstellen, für unterschiedliche Arbeitgeber tätig zu werden. Daher ist es nachvollziehbar, dass es vielen schwerfällt, einen konkreten Arbeitgeberbezug herzustellen.

Mit diesem Wissen erkennen Sie vielleicht bereits, dass hier eine Chance besteht, sich von anderen Bewerbern abzuheben. Ich kann das übrigens aus der Praxis bestätigen: Einen Bezug zu einem Arbeitgeber herzustellen fällt selbst hervorragend ausgebildeten Bewerbern oft schwer. Gerade deshalb gilt, dass diejenigen Bewerber einen Vorteil haben, die nachvollziehbar erläutern können, warum sie sich gerade hier bewerben. Und damit ist die persönliche Motivation, die über den reinen Tätigkeitsbezug hinausgeht, gemeint.

Arbeitgeber, zu denen der Bezug leichter fällt

Das mag Ihnen bei manchen Arbeitgebern recht leichtfallen:

  • Nichtregierungsorganisationen, Stiftungen und soziale Einrichtungen widmen sich expliziten Zielen, mit denen sich viele Bewerber identifizieren.
  • Auch wissenschaftliche Einrichtungen, Projektträger sowie manche Verbände und Agenturen haben sich inhaltlich so aufgestellt, dass sich leicht Überschneidungen mit der individuellen Orientierung von Bewerbern ergeben.
  • Im öffentlichen Dienst geht es fast immer darum, einen gesellschaftlichen Mehrwert zu schaffen oder einen positiven Beitrag für das Funktionieren unseres demokratischen, sozialen Rechtsstaates zu liefern.
  • In der Privatwirtschaft punkten gerade Konzerne mit Bekanntheit (Marke und Image) und Größe (Aussicht auf Entwicklungsmöglichkeiten), Startups mit Arbeitsorganisation (agile Teams und flache Hierarchien) und Innovationskraft (Zukunftsgestaltung).

Wenn es also einen konkreten Bezug gibt, dann sollten Sie diesen in Ihrer Bewerbung – in der Regel im Anschreiben – auch herstellen. Zwei bis drei Sätze sollten es schon sein, wie zum Beispiel bei einer Berufsgenossenschaft:

Ich bewerbe mich vor allem deswegen bei Ihnen, weil ich das Instrument der gesetzlichen Unfallversicherung als unverzichtbaren Bestandteil unseres Sozialstaates schätze. Meine fundierten beraterischen Kenntnisse und Erfahrungen möchte ich dazu einsetzen, dass sie nicht den Weg der Berufsunfähigkeitsversicherung in die Privatisierung geht. Aus diesem Grund möchte ich sehr gerne dazu beitragen, dass die Berufsgenossenschaft leistungsfähig bleibt und auch weiterhin einen echten Mehrwert für die Versicherten darstellt.

Was in schwierigen Fällen hilft

Schwieriger wird es, wenn ein unmittelbarer Bezug nur kaum erkennbar ist. Wenn sich etwa ein Ingenieur in einem mittelständischen produzierenden Unternehmen bewirbt. Oder ein Vertriebsmitarbeiter bei einem Zubehörhändler. In Unternehmen, die weder sexy noch spannend erscheinen, weil Vorgesetzte und Belegschaft weder eine gemeinsame Vision noch eine DNA entwickelt haben. Oder die keine Produkte und Dienstleistungen anbieten, mit denen sich Bewerber leicht identifizieren können.

Aber dann gilt es umso mehr, die Motivation zu erläutern! Denn in dem Wissen, dass sich andere Bewerber mit der Darlegung der Arbeitgeber-Motivation wohl auch sehr schwertun, können Sie hier den entscheidenden Punkt holen. Dazu empfehle ich Ihnen:

  • Recherchieren Sie auf der Arbeitgeber-Webseite nach einem Leitbild, einem besonderen Geschäftsmodell, einem außergewöhnlichen Schwerpunkt im Portfolio oder interessanten Projekten, auf die Sie sich beziehen können.
  • Quereinsteiger können allgemeiner erläutern, warum sie in eine neue Branche oder in eine neue Tätigkeit wechseln wollen.
  • Sie können als Motivation auch den Willen für den nächsten Karriereschritt darlegen, beispielsweise bei der erstmaligen Bewerbung auf eine Führungsposition. Umgekehrt können Bewerber auch erläutern, dass sie mit dieser Bewerbung ihre Karriere konsequent fortführen möchten.
  • Und wenn das alles nicht helfen sollte, können Sie sich immer noch auf die Benefits beziehen, die in der Stellenanzeige genannt werden. Gute Aufhänger sind etwa Gestaltungsspielräume, Entwicklungschancen und Weiterbildungsmöglichkeiten. Weniger empfehlenswert sind dagegen die Anzahl der Urlaubstage oder die Nutzung eines Firmenwagens zu privaten Zwecken. Selbst wenn es vielleicht nicht ganz so überzeugend klingt, stellen Sie zumindest noch einen individuellen Bezug zur Stellanzeige her.

Ein Beispiel:

Die Stelle in Ihrem Unternehmen begeistert mich vor allem wegen der Möglichkeit, an Speicher- und Embedded-IoT-Lösungen an leading edge technology beteiligt zu sein. Darüber hinaus entspricht sie meinem Wunsch, meine Laufbahn als Ingenieur im Bereich Produktionsoptimierung fortzusetzen. In diesem Zusammenhang schätze ich die angebotenen Möglichkeiten zu Weiterbildungen sowie die Aussicht zur persönlichen und fachlichen Entwicklung.

Authentisch bleiben und nicht pathetisch werden

Eine deutliche Unterscheidung zwischen intrinsischer und extrinsischer Motivation ist dabei gar nicht so wichtig. Jedenfalls solange sie sich nicht allein auf den Wunsch reduziert, viel Geld zu verdienen. Wichtig bleibt in erster Linie, dass Sie authentisch bleiben und nicht pathetisch klingen. Sie müssen von Ihrer Motivation auch selbst überzeugt sein. Wenn Sie nicht wirklich dahinterstehen, dürfte das spätestens in einem Vorstellungsgespräch auffliegen. Im Übrigen müssen Sie dort sowieso Ihre Motivation erläutern. Warum also nicht schon vorher, um die Chancen auf eine Einladung deutlich zu erhöhen?

Machen Sie sich also die Mühe, gerade wenn es für Sie um viel geht. Oder lassen Sie machen – es wird sich auszahlen!

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