Wie Sie den Einstieg im politischen Raum und bei NGOs schaffen

Viele streben sie an, nur wenigen ist sie vergönnt: eine Karriere in der Gestaltung von Politik. Denn wo es mehr Bewerber als freie Stellen gibt, können nicht alle zum Zug kommen. Gerade für den Einstieg braucht es einen klaren Plan und langen Atem, wenn sich über Vitamin B nichts machen lässt.

Aller Anfang ist schwer, gerade in der Politik. Jüngst berichtete mir eine Klientin, die sich auf eine Referentinnenstelle im Themenbereich Gender bei einer Berliner Nichtregierungsorganisation (NGO) beworben hatte, dass sie eine von mehr als 600 Kandidatinnen war. Für eine einzige Stelle! Auch wenn das ein Ausreißer nach oben ist: Zumindest die Hälfte dessen ist für solche Positionen nicht ungewöhnlich. Die Konkurrenz ist also ziemlich groß. Und das führt zwangsläufig zu der Frage, was also zu tun ist, um den Traum von einer Karriere in der Politik wahrwerden zu lassen.

Ich habe in meiner Laufbahn viele Menschen kennengelernt, die sinnstiftende Arbeit suchen. (Ja, liebe Arbeitgeber, Geld verdienen reicht schon lange nicht mehr als Gegenleistung.) Naheliegend ist der politische Raum mit seinen Staatsinstitutionen, Parteien, Stiftungen, Gewerkschaften, Verbänden und NGOs. Denn dort bietet sich die Möglichkeit, Politik zu beeinflussen, mitzubestimmen und zu gestalten, auf das unser Gemeinwesen ein besseres wird! In der Tat gibt es wahrscheinlich nichts zufriedenstellenderes im Berufsleben als ein Job, in dem wir etwas machen können, mit dem wir uns identifizieren. Und was uns selbst Erfüllung bringt.

Große Konkurrenz zwingt zu profilorientierten Bewerbungen

Der Haken an der Sache ist nur, dass diese Sichtweise mittlerweile von sehr vielen Erwerbstätigen geteilt wird. Die Konkurrenz ist insgesamt so groß, dass es klar gesagt werden muss: Für die allermeisten, die in die Politik im weiteren Sinne wollen, bleibt der Weg versperrt, solange sie nicht von persönlichen Beziehungen profitieren und manchmal auch von Nepotismus. Es gibt nicht genügend Stellen für so viele grundsätzlich geeignete Bewerberinnen und Bewerber. Was Arbeitgeber, zumindest in dieser Branche, wiederum in eine glückliche Lage versetzt: Sie können unter den allerbesten auswählen.

Daher empfehle ich zunächst sich nur auf jene Stellen zu bewerben, die dem eigenen Profil – also die Kombination aus Werdegang und nachweisbaren Hard Skills – weitgehend entsprechen. Wer das nicht kann (oder tut) hat praktisch keine Chance, auch nicht als Zählkandidat in einem abgekarteten Auswahlverfahren. Selbst wenn das zur Konsequenz hat, nur noch sehr wenige Bewerbungen schreiben zu können: Wer sich auf beliebige Stellen in seinem Gesinnungsbereich bewirbt, tut sich selbst keinen Gefallen, denn das verwässert sogar noch die Glaubwürdigkeit.

Planvoll auf das Ziel hinarbeiten und nicht irgendwas studieren

Insofern sehe ich für die allermeisten Hochschulabsolventen kaum Chancen, wenn sie neben ihrem Studium nicht bereits konsequent auf ihr Ziel hingearbeitet haben. Erst durch zielgerichtete Praktika, jahrelanges ehrenamtliches Engagement und entsprechende Studienschwerpunkte steigt die Konkurrenzfähigkeit auf ein Mindestmaß. Gepaart mit der entsprechenden intrinsischen Motivation und geringen Gehaltsvorstellungen (viel wird in der Branche meist nicht verdient) kommen solche Kandidaten in den erweiterten Favoritenkreis.

Noch einfacher wäre es, gleich das „richtige“ zu studieren. Tatsächlich sind Absolventen mit zweitem juristischen Staatsexamen häufig die wettbewerbsfähigsten Bewerber für Stellen in der Politik. Allerdings haben viele Kandidaten mit politischem und gesellschaftlichem Gestaltungswillen eher ein sozial- oder geisteswissenschaftliches Studium absolviert. Als Diplom-Politologe liegt es mir fern, ein solches Studium generell in Abrede zu stellen. Aber selbst Absolventen wirtschaftswissenschaftlicher und naturwissenschaftlich-technischer Studiengänge haben manchmal bessere Chancen. Eine Promotion, die eine thematische Spezialisierung in eine relevante Richtung unterstreicht, könnte jedenfalls für den Einstieg sehr helfen.

Welche Umwege sich lohnen und welche nicht

Den hinzubekommen bleibt die größte Herausforderung. Der steinigste und steilste Weg zu diesem Ziel sind Bewerbungen auf ausgeschriebene Stellen. Umwege über weniger attraktive Positionen funktionieren bei vielen Arbeitgebern leider auch nicht: Wer eine Teamassistenz sucht, stellt meist eben doch keinen hochmotivierten und -ambitionierten Kandidaten ein. Denn der wird sich wahrscheinlich bei der erstbesten Gelegenheit organisationsintern auf eine anspruchsvollere Position bewerben. Und die meisten Arbeitgeber möchten nicht alle sechs oder zwölf Monate eine neue Assistenz suchen.

Meist sind scheinbare Umwege über die Privatwirtschaft dann doch der direkte Weg in die Politik. Wer das zielgerichtet plant, hat dann mit Anfang dreißig plötzlich Chancen, die mit Mitte zwanzig noch fehlten. Was das für Arbeitgeber und Stellen sein können, lässt sich nicht pauschal sagen und hängt jeweils konkret von den weiteren beruflichen Zielen in der Politik ab. Eine erste grobe Wahl bestünde zwischen einer fachlichen Spezialisierung und eher allgemeinen Management-Kompetenzen.

Ganz aktuell bietet sich auch eine Chance, die nur alle Jahre besteht: Im Bundestags- und Berliner Landeswahlkampf benötigen Parteien und Kandidaten jede Menge Unterstützung. Das könnte ein Einstieg sein. Allerdings wäre es vermessen zu glauben, dass zwei Monate ehrenamtlicher Wahlkampf ausreichen, um anschließend ein lukratives Angebot zu erhalten. Oft binden sich Personen mehrere jahrelang an aufstrebende Politiker, ehe es sich beruflich auszahlt.

Sinnstiftende Arbeit ist auch in der Privatwirtschaft möglich

Eine Karriere in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit zu starten ist ebenfalls nicht immer leicht. Schlechter bezahlte Entwicklungshelferstellen und der Einstieg über Ortskräfteverträge – letzteres setzt meist eine Bewerbung im Zielland und nicht aus Deutschland voraus – sind mitunter gute Optionen. Dennoch möchte ich darauf hinweisen, dass die Trauben für Bewerber bei den meisten internationalen Organisationen sehr hoch hängen. Und auch die staatliche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) kann mit Blick auf ihre Attraktivität meist sehr wählerisch sein.

Wer den Einstieg hinbekommt, hat in der Regel die größte Herausforderung für eine Karriere in der Politik gemeistert. Vor allem für gute Netzwerker wird es danach deutlich einfacher, sich weiterzuentwickeln. Für diejenigen, denen der Weg durch das Nadelöhr der ersten Stelle verstellt ist, bleibt zumindest ein Trost: Die Gestaltungsmöglichkeiten, die sich die meisten in der Politik und bei NGOs so sehr wünschen, sind im beruflichen Alltag doch meist arg begrenzt. Und außerdem gibt es immer mehr privatwirtschaftliche Arbeitgeber mit echter sozialer Verantwortung, in denen Erwerbstätige Tätigkeiten ausüben können, die ebenfalls sinnstiftend sind.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.