Wie Sie sich gegen Manipulationen gewissenloser Führungskräfte wehren

Manipulationen durch Führungskräfte sind im Berufsleben nicht selten. Was viele gar nicht wahrhaben wollen: Es liegt nicht nur an skrupellosen Vorgesetzten. Das Gute ist: Wer deren Methoden durchschaut und sich selbst erkennt, wird Manipulationen nicht mehr auf den Leim gehen.

Fühlen Sie sich regelmäßig überfordert? Meinen Sie, den legitimen Erwartungen Ihres direkten Vorgesetzten nur selten gerecht werden zu können? Trauen Sie sich schon seit mindestens 24 Monaten nicht, um eine Gehaltserhöhung zu bitten? Sind Sie selbst von der Qualität Ihrer geleisteten Arbeit häufiger enttäuscht? Haben Sie gar Angst um Ihren Job? Sollten Sie mindestens drei dieser fünf Fragen bejahen, befinden Sie sich in einer kritischen Situation. Aber erst dann, wenn Sie denken, es läge an Ihnen selbst, haben Sie ein wirkliches Problem.

Erstens: Ursache und Wirkung richtig zuordnen

Denn nicht selten führen in erster Linie äußere Bedingungen – Manipulationen – zu solchen Wahrnehmungen. Diese wiederum sind Reaktionsmuster bzw. spiegeln die Umstände am Arbeitsplatz. Klar gibt es manchmal Erwerbstätige, die in ihrem Job total versagen. Aber das kommt unter motivierten wie leistungsfähigen Arbeitnehmern so selten vor, dass wir diese Möglichkeit zunächst getrost ignorieren  können. Es geht also zunächst darum, Ursache und Wirkung negativer Wahrnehmung korrekt zuzuordnen:

  • Ich bin überfordert, weil andere zu viel von mir verlangen.
  • Ich kann die in mich gesetzten Erwartungen nicht erfüllen, weil sie so definiert werden, dass sie nicht (vollständig) erfüllt werden können.
  • Um Personalkosten zu sparen, soll kein Mitarbeiter auf die Idee kommen, ein höheres Gehalt zu verhandeln.
  • Ich bin nur deswegen von der Qualität meiner Arbeit enttäuscht, weil ich nicht nach meinen Stärken eingesetzt werde oder andere die Maßstäbe verschoben haben, ohne dass mir das bisher bewusst war.
  • Ich soll Angst um meinen Job haben, damit ich mich weiter voll reinhänge.

Zweitens: Muster kennen und erkennen

Sollten Sie sich bei mindestens drei dieser fünf Aussagen eingestehen, dass dies zumindest denkbar ist, könnte es sein, dass Sie Manipulationen eines Vorgesetzten ausgesetzt sind. Das hat wiederum eher selten etwas mit schlechter Führung ungeeigneter Personen zu tun, sondern ist das Resultat einer gewissenlosen Kalkulation. Wenn man so will, kann man sogar von einem bewussten Führungsstil sprechen, sofern man normative Aspekte ausblendet.

Was wäre nun naheliegender als die Frage, wie Sie sich nun gegen solche Manipulationen wappnen können? Nun, oft reicht es schon aus, die Muster zu kennen, um sie erkennen zu können, um ihnen nicht auf den Leim zu gehen. Dann ändern sich Ihre Denkweise und Handlungen am Arbeitsplatz:

  • Ich mache, was ich kann, mehr nicht – egal, ob es reicht.
  • An mich herangetragene unrealistische Erwartungen werde ich argumentativ und selbstbewusst zurückweisen.
  • Einmal im Jahr werde ich um eine Anpassung meines Gehalts verhandeln, weil das in Deutschland so üblich ist.
  • Ich definiere eigene Indikatoren dafür, was qualitativ gute Arbeit ist. Wenn ich sie nicht erreiche, schaue ich, ob innere oder äußere Faktoren darauf einen Einfluss hatten.
  • Ich habe keine Angst um meinen Job. Sollte mich mein Arbeitgeber entlassen oder meinen Arbeitsvertrag nicht verlängern, suche ich mir halt einen neuen – mit einem guten Arbeitszeugnis.

Drittens: Eigene Schwächen und Bedürfnisse identifizieren

Zugegeben, zu Erkenntnissen dieser Art zu kommen und sie dann auch noch durch entsprechende Handlungen zu untermauern, ist mitunter nicht einfach. Im Jobcoaching geht es daher häufig darum herauszufinden, was Erwerbstätige hemmt, dort hinzukommen. Diese fünf Schwächen und Bedürfnisse sind als Ursachen für Manipulationen besonders häufig:

Mangelnde Erfahrung

in einem Berufsbereich führt in aller Regel dazu, keine Vergleichswerte heranziehen zu können. Gerade junge Berufstätige wissen meist überhaupt nicht, welche Erwartungen angemessen und welche überzogen sind. Welche Verhaltensweisen von Vorgesetzten hingenommen werden sollten und wo Grenzen verletzt werden. Oft helfen erfahrene Ratgeber wie Coaches und Mentoren, zu einer realistischen Einschätzung zu kommen. Das schließt auch das Bewusstsein für ein faires Gehaltsniveau ein.

Perfektionismus

schadet zwar nicht nur dem Urheber, aber dem zuallererst. Manche Erwerbstätige müssen mühsam lernen, dass Aufgaben nur so genau wie nötig, aber nicht so exakt wie möglich erledigt werden sollten. In den meisten Berufen bildet das Pareto-Prinzip, nachdem 80 Prozent der Ergebnisse mit 20 Prozent des Gesamtaufwandes erreicht werden, einen ausreichenden Orientierungspunkt. Wer es schafft, mit nicht optimalen Ergebnissen zufrieden zu sein, wird anderen gegenüber viel selbstbewusster auftreten und sich kaum noch manipulieren lassen.

Der Wunsch nach Wertschätzung

ist ebenfalls ein Einfallstor für Manipulationen. Skrupellose Führungskräfte, die erkennen, dass Mitarbeiter positives Feedback und Wertschätzung benötigen wie die Luft zum Leben, werden ihre Zuwendung einsetzen wie ein Drogendealer sein Dope. Oder sie werden dressiert wie der Pawlowsche Hund. Machen Sie sich also unabhängig von Wertschätzung, gehen Sie auf Entzug. Plötzlich hat Ihr Vorgesetzter keinen Hebel mehr in der Hand und verliert seine Macht über Sie.

Intrinsische Motivation

erhöht die Wahrscheinlichkeit der Selbst- und Fremdausbeutung. Schlechte Arbeitsbedingungen inklusive eines zu geringen Gehaltes sind nicht gerade selten zwangsläufige Konsequenzen. Natürlich ist es schön, wenn uns sinnstiftende Arbeit erfüllt und im besten Fall sogar glücklich und zufrieden macht. Nur wer diese emotionalen Kriterien weit über alle anderen Aspekte des Erwerbslebens stellt, zahlt einen Preis – im wahrsten Sinne des Wortes.

Der Wunsch nach harmonischen Arbeitsbedingungen

ist ebenfalls toxisch, wenn Sie ihn verabsolutieren. Wer sich nach intakten zwischenmenschlichen Beziehungen am Arbeitsplatz sehnt und nicht anecken möchte, wird wahrscheinlich häufiger einer harten sachlichen Argumentation aus dem Weg gehen. Auch sehr erfahrenen Erwerbstätigen fällt es mitunter schwer, angemessen zu reagieren, wenn Vorgesetzte Grenzen sukzessive verschieben.

Bleiben Sie eine authentische Persönlichkeit

Darüber hinaus gibt es noch einige weitere Faktoren, die Manipulationen möglich machen. Grundsätzlich sind es Schwächen und Bedürfnisse, die wir haben. Das ist zutiefst menschlich und sollten wir uns nicht abtrainieren. Schließlich wollen wir authentische Persönlichkeiten bleiben. Aber wir sollten hin und wieder daran denken, dass andere dies zu ihrem eigenen Vorteil ausnutzen wollen. Lassen wir sie nicht damit durchkommen!

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