Die Ursachen anhaltend erfolgloser Bewerbungen

Wer sich häufig bewirbt, ohne erfolgreich zu sein, macht etwas falsch. Die Ursachen dafür können sehr unterschiedlich sein – in den meisten Fällen sind sie aber fest- und abstellbar.

Viele Bewerbungen und kein Erfolg: Es gibt kaum Erwerbstätige, die das nicht mitnimmt. Neben der Frustration, die eigene besondere Begabung zurzeit nicht einsetzen zu können, kommen häufig auch finanzielle Herausforderungen. Am stärksten wiegen aber wohl die Zweifel, die einige Menschen befallen: Warum werde ich zurückgewiesen? Bin ich nicht mehr gut genug? Und was soll ich jetzt bloß machen? Sie sehen: Zahlreiche erfolglose Bewerbungen können Krisen auslösen – daher ist eine rechtzeitige Intervention so wichtig.

Wann bin ich überhaupt auf dem Holzweg?

Aber gemach, bitte: Zunächst geht es darum zu klären, ab wann ein Bewerber auf dem Holzweg ist. Ein erster Orientierungswert ist der Anteil der Einladungen zu Vorstellungsgesprächen auf erstellte Bewerbungen. Natürlich ist es schwierig, über Branchen und Alter hinweg pauschale Hinweise zu geben, aber bei weniger als 10 Prozent sollten Sie sich Gedanken machen. Allerdings erst, wenn Sie mindestens 20 bis 30 Bewerbungen erstellt haben – also bitte nicht zu früh zweifeln. Diejenigen, die auf 20 Prozent (oder mehr) ihrer Bewerbungen Einladungen zu Vorstellungsgesprächen erhalten, brauchen sich in der Regel keine Gedanken zu machen.

Anhaltend erfolglose Bewerbungsversuche kennen zwei wesentliche Gründe: Entweder Erwerbstätige bewerben sich auf die falschen Stellen, was bedeutet, dass sie mit Blick auf die anderen Bewerber derzeit kaum konkurrenzfähig sind. Oder sie bewerben sich in einer unzureichenden Qualität, was alle Aspekte der Außendarstellung betreffen kann. Noch schwieriger wird es natürlich, wenn beides zusammenkommt, aber auch dafür gibt es Lösungen.

Erste Ursache: Aktueller Mangel an Konkurrenzfähigkeit

Beginnen wir mit Ursache Nummer 1: Anpeilung des falschen Ziels. Liegt diese Ursache vor, geht sie fast immer auf eine Fehlwahrnehmung der eigenen Konkurrenzfähigkeit zurück. In diesem Fall haben die Bewerber kaum eine Vorstellung davon, dass sie mit anderen konkurrieren, die ihnen mit Blick auf die Erwartungen des Arbeitgebers weit voraus sind. Die Ursachen können mit Blick auf die anderen Kandidaten vielschichtig sein:

  • Der eigene Bildungsabschluss ist niedriger.
  • Die erworbenen Erfahrungen in der Ausübung der relevanten Tätigkeit und in der jeweiligen Branche sind signifikant geringer.
  • Der bisherige Werdegang/Karriereverlauf passt kaum zur ausgeschriebenen Stelle.
  • Der erfolglose Bewerber erfüllt die erforderlichen Bedingungen (Muss-Kriterien) der Stellenanzeige nicht.
  • Der Arbeitgeber signalisiert mit Begriffen wie Junior und Trainee, dass er nur junge Bewerber einstellen möchte.

Manche Ziele sind über einen Umweg erreichbar

Die Reihenfolge ist nicht ganz willkürlich gewählt – je weiter man nach unten geht, desto weniger hat man es selbst in der Hand, doch noch zum Erfolg zu kommen. Denn nur, weil ein Bewerber aktuell nicht konkurrenzfähig ist, bedeutet es nicht, dass dies auch immer so bleiben muss. Natürlich werden Korrekturen schwerer, je älter man wird. Nichtsdestotrotz

  • kann ein Bildungsabschluss nachgeholt werden.
  • können relevante Erfahrungen in anderen, leichter zu erreichenden Positionen erworben werden (Beispiel: gleiche Branche, aber Projektassistenz anstatt Projektmitarbeiter).
  • können zielgerichtete Weiterbildungen fehlende Erfahrungen ausgleichen und außerdem die Motivation für das berufliche Ziel unterstreichen.

Den letzten Hinweis beziehe ich insbesondere auf erfahrene Erwerbstätige. Ab einem gewissen Alter sollten sie alleine schon aus taktischen Erwägungen regelmäßige Fortbildungen oder eine umfangreiche Weiterbildung ins Auge fassen. Dabei geht es nicht nur um den Erwerb neuen Wissens, sondern auch die Demonstration der Lern- und Veränderungsbereitschaft. Denn damit entkräften erfahrene Erwerbstätige das gängige Vorurteil, dass sie dazu weniger in der Lage seien. Manche Ziele bleiben also über einen Umweg erreichbar.

Nicht mit dem Kopf gegen die Wand laufen

Aber nicht immer hat es ein Bewerber selbst in der Hand. Am häufigsten wird (zumindest in Deutschland) nach dem Alter diskriminiert, weshalb manchmal der Zug einfach schon abgefahren ist, wenn etwa ein Studium bis Mitte 30 gedauert hat. Auch gegen andere Diskriminierungen – nach Geschlecht, Herkunft, Religion etc. – gibt es manchmal einfach keine Chance. Mitunter ist es aus Sicht eines Arbeitgebers auch nachvollziehbar, dass bestimmte Bewerber aufgrund ihrer Persönlichkeit kaum Chancen haben. Beispielsweise ist es fast unmöglich, nach langer Selbständigkeit in eine Anstellung im öffentlichen Dienst zu kommen.

Es ist also wichtig, den Arbeitsmarkt zu verstehen, will man nicht pausenlos mit dem Kopf gegen die – meist stärkere – Wand laufen. Das bedeutet nicht, von vornherein auf ambitionierte berufliche Ziele zu verzichten. Allerdings sollten sich Erwerbstätige in diesem Fall zeitliche Grenzen setzen und berufliche Alternativen formulieren. Eine zeitliche Grenze deswegen, damit man nicht zu lange einem schwer erreichbaren Ziel hinterherläuft. Und Alternativen fangen einen Bewerber auf, bevor er oder sie droht, ins bodenlose zu fallen.

Zweite Ursache: Suboptimale Bewerbungsstrategie

Bleibt Ursache Nummer 2: die unzureichende Qualität der Bewerbung bzw. der Bewerbungsstrategie. Je attraktiver das berufliche Ziel, desto größer ist meist auch die Konkurrenz und desto hochwertiger muss das gesamte Bewerbungsverhalten sein. Das ist aber weit mehr, als viele denken und betrifft

  • die Darstellung des eigenen Angebots in der schriftlichen Bewerbung.
  • das Auftreten in Vorstellungsgesprächen.
  • das Verhalten in personaldiagnostischen Gesprächen und Tests.
  • die Selbstdarstellung in den relevanten digitalen sozialen Netzwerken (die von immer mehr Arbeitgebern zusätzlich betrachtet wird).
  • die Bewerbungsstrategie, da manche Stellen überwiegend über das persönliche Netzwerk/Empfehlungen, Headhunter oder Initiativbewerbungen vergeben werden.

Die Optimierung des Bewerbungsverhaltens weist viele Facetten auf und kann daher umfangreich werden. Viele selbst bestens ausgebildete Erwerbstätige unterschätzen leider, was alles zu einer exzellenten Bewerbung gehört. Und dann entsteht ein bedauerliches Missverständnis: Anstatt zu wissen, dass sie sich gerade in bestenfalls suboptimaler Qualität bewerben, denken diese Bewerber, ihr Ziel sei zu ambitioniert und korrigieren es. Das ist dann wirklich tragisch.

Bedenken Sie bitte: Ein guter Coach wird Ihnen nicht nur sagen, was Sie alles ändern können (in der Hoffnung, dass sich der Erfolg dann von alleine einstellt). Nein, ein guter Coach ist in der Lage, Ihnen zu sagen, woran es höchstwahrscheinlich bei Ihnen liegt und was Sie genau ändern sollten, um mit Ihren Bewerbungen erfolgreich zu sein. Nicht, dass Sie am Ende noch die falschen Stellschrauben neu justieren und Ihren Traumjob aus dem Blick verlieren.

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