Wie der Megatrend Digitalisierung die Arbeitswelt verändert

Digitalisierung ist seit Jahren in aller Munde. Studien über Studien belegen, wie sich die Arbeitswelt verändert. Doch nicht allen Erwerbstätigen ist wirklich bewusst, was auf sie zukommt.

Digitalisierung

Kennen Sie einen Berufs- bzw. Tätigkeitsbereich in Deutschland, auf den die Digitalisierung keine Auswirkung hat? Ich jedenfalls nicht und bezweifele auch, dass Sie einen finden werden. Natürlich gibt es noch Erwerbstätige, die in kleinen, einsamen Refugien noch vollständig analog arbeiten. Doch dabei handelt es sich um arg bedrohte Räume. Die Digitalisierung, also im weitesten Sinne die Computerisierung und Vernetzung fast aller Lebensbereiche durch elektronische Informationstechnik, hat uns voll erfasst – und niemand kann ihr aus dem Weg gehen.

Die Arbeitswelt ist schon häufiger auf den Kopf gestellt worden. Am Anfang stand die neolithische Revolution, die die Agrargesellschaft begründete und durch die Menschen sesshaft wurden. Die erste industrielle Revolution markierte den Beginn der Moderne, da auf die Mechanisierung durch Wasser- und Dampfkraft eine dauerhafte Umgestaltung der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse folgte. Auch wenn der darauffolgende Entwicklungsschritt nicht zwingend als Revolution bezeichnet werden muss, hat Massenfertigung mit Hilfe von Fließbändern und Elektrizität zu einer nie dagewesenen Effizienzsteigerung geführt.

Der nicht-lineare Charakter der digitalen Revolution

Dass seit etwa vier Jahrzehnten wieder revoltiert wird, steht dagegen außer Frage. Die digitale Revolution erreicht allerdings ein Ausmaß, das alles Bisherige in den Schatten stellt. Denn je länger sie andauert, desto rasanter erscheint sie – und dabei stehen wir noch ganz am Anfang. Zögen wir eine Zwischenbilanz, erkennen wir den nicht-linearen Charakter der Digitalisierung. Denn immer neue Erkenntnisse verkürzen die Entwicklungszeit weiterer Innovationen. Die digitale Revolution schreitet also nicht voran, sondern katapultiert sich mit Sprüngen vorwärts, die von Mal zu Mal größer werden.

Aufgrund des exponentiellen Fortschritts können also alle zurzeit lebenden Generationen davon ausgehen, Zeugen einer permanenten Revolution zu sein. Wir stecken mittendrin und können es nicht vermeiden, selbst wenn wir es wollten. Es wird daher Zeit, sich dem unvermeidlichen zu stellen und zu beginnen, sich mit dieser einen zentralen Frage zu beschäftigen: Wie sehr bin ich in meiner Erwerbstätigkeit von Digitalisierung betroffen?

Digitalisierung als Systemsprenger

Es gibt zwei ganz unterschiedliche Erklärungsansätze für diese Frage. Erstens können wir zumindest festhalten, dass die Digitalisierung die Berufsausübung verändern wird. Digitale Werkzeuge erleichtern die Arbeitsabläufe, durch die Menschen insgesamt leistungsfähiger und effizienter werden. Viele Erwerbstätige kennen das bereits und dürften es mittlerweile für selbstverständlich halten. So weit, so unspektakulär.

Der disruptive Charakter der digitalen Revolution wird erst durch den zweiten Erklärungsansatz offensichtlich. Er besagt, dass Digitalisierung die Berufe nicht verändert, sondern dass die Berufe wie wir sie bisher kennen verschwinden und in der Digitalisierung neu erfunden werden. Das bedeutet, dass der Einfluss der Digitalisierung so fundamental ist, dass wir ein ganz neues Verständnis unserer beruflichen Tätigkeit entwickeln müssen. Digitalisierung ist also nicht ein weiteres Werkzeug zur Effizienzsteigerung, sondern der Systemsprenger.

Wer schon heute stark von Automatisierbarkeit betroffen ist

Zum Jahresende 2021 ist es vielleicht so, dass die meisten Erwerbstätigen den disruptiven Charakter noch gar nicht richtig spüren. Doch er kommt unaufhaltsam und immer schneller auf uns zu. Wer mir nicht glaubt, der sollte sich mit dem Job-Futuromat des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung beschäftigen. Dort können Sie einen ersten Eindruck gewinnen, zu welchen Teilen Ihr Beruf schon heute automatisierbar ist. Hier ein paar Durchschnittswerte:

  • Maschinenbau-Ingenieure zu 44%
  • Projektassistenten zu 100%
  • CNC-Fräser zu 80%
  • Vertriebscontroller zu 63%
  • Personalreferenten zu 50%
  • Callcenteragents zu 71%
  • Dolmetscher/Übersetzer zu 100%

Wenn also ein erheblicher Teil der Tätigkeiten von Maschinen erledigt werden kann, werden sich einerseits der Arbeitsalltag der Erwerbstätigen und die Ausbildung verändern. Andererseits werden wir deutlich weniger Erwerbstätige in den unterschiedlichen Bereichen benötigen, weshalb auch ein geringer Anteil an Automatisierbarkeit einen großen Einfluss auf den Arbeitsmarkt haben kann. Mit anderen Worten: Durch die Digitalisierung werden wir demnächst wohl deutlich weniger Vertriebscontroller und Callcenteragents benötigen. Und schon jetzt könnten wir bereits auf Projektassistenten und Dolmetscher/Übersetzer verzichten.

Finden Sie heraus, welche digitalen Kompetenzen Sie brauchen

Dagegen gibt es immer noch zahlreiche Berufsbereiche, die von der Digitalisierung geringfügiger betroffen sind. Vor allem soziale Berufe werden wohl im Wesentlichen noch den Menschen bedürfen, die aktuell kaum durch Roboter zu ersetzen sind. Aber nicht erst die Pandemie hat Lehrern gezeigt, dass Bildung auch digital vermittelt werden kann. Und schon jetzt gibt es Algorithmen, die bei der Analyse von Röntgenbildern weniger Fehler machen als erfahrene Ärzte. Doch das ist nur der aktuelle Stand – die Veränderung ist permanent!

Sicherlich fragen Sie sich spätestens an dieser Stelle: Was soll ich denn machen? In der Tat ist die Erkenntnis einer Herausforderung das eine, die Entwicklung konkreter Lösungen allerdings etwas anderes. So vielschichtig die Digitalisierung ist, so viele unterschiedliche Implikationen bringt sie für Erwerbstätige mit. Insofern kann ich dazu – leider! – keine pauschalen Antworten liefern, sondern Ihnen „nur“ eine Potentialanalyse empfehlen, in der Sie ganz individuell herausfinden, welche digitalen Kompetenzen für den beruflichen Erfolg in der Zukunft erforderlich sind.

Die Arbeitswelt ist wieder nur der Anfang

Chancen gibt es natürlich auch in Hülle und Fülle, denn selbstverständlich wird die Digitalisierung neue Berufe wie Arbeitsplätze schaffen. Und mit Blick auf die demographische Dynamik brauchen wir auch keine Massenarbeitslosigkeit befürchten. Aber die Anforderungen an Erwerbstätige werden immer komplexer, und die Arbeitswelt dürfte durch die Digitalisierung an Ausdifferenzierung verlieren. Ich bin mir nicht sicher, ob unser Bildungssystem darauf vorbereitet ist und ob es weiterhin sinnvoll ist, dass der Staat Arbeit mit hohen Steuern und Abgaben versieht. Vielleicht wird sogar das bedingungslose Grundeinkommen eine Zwangsläufigkeit, wenn die Digitalisierung erst die Arbeitswelt und dann unser gesamtes Gesellschaftssystem auf den Kopf stellt.

Denn das haben uns die bisherigen beiden Revolutionen gelehrt: Die Arbeitswelt ist immer nur der Anfang.

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