Was Personaler in den Bewerbungsunterlagen erkennen wollen

Bei der Gestaltung von Anschreiben, Lebenslauf und weiteren Unterlagen sollten sich Bewerber davor hüten, das zu schreiben, was ihnen gefällt. Anstatt dessen sollten sie die Perspektive der Personaler annehmen und allein deren Bedürfnissen gerecht werden.

Lebenslauf mit Kugelschreiber und Brille

Man muss nicht lange suchen, um Empfehlungen zu finden, wie gute Bewerbungsunterlagen aussehen sollten. Leider kann daraus auch schnell ein Nachteil erwachsen, wenn man mit zu vielen „guten“ Tipps konfrontiert wird, die sich mitunter auch noch widersprechen. Unterscheiden zu können, was wirklich unabdingbar und was reine Geschmackssache ist, fällt dann nicht wenigen Bewerbern schwer.

Der Schlüssel liegt meiner Meinung darin, sich in den Berufsalltag von Personalern hineinzuversetzen. Gemeinhin ist bekannt, dass die sich in den allermeisten Fällen nur wenig Zeit für die Sichtung der Bewerbungsunterlagen lassen. Manchmal sind selbst schon zwei Minuten zu hoch gegriffen, soll uns aber als Richtwert zunächst reichen. Das bedeutet also als erste Erkenntnis, dass die Unterlagen so aufbereitet sein sollten, dass in dieser kurzen Zeit so viele relevante Informationen wie möglich wahrgenommen werden können.

Es geht fast nur um Hard Skills

Daher müssen die wesentlichen Informationen schnell erkannt werden können. Und die wesentliche Information, um die es geht, ist allein die Antwort auf die Frage, ob eine Bewerberin den fachlichen Anforderungen gewachsen ist. Auf dem Prüfstand stehen also allein die Hard Skills – also die fachlichen Kompetenzen, praktischen Erfahrungen sowie Branchenerfahrungen, nachweisbare Erfolge und gegebenenfalls formale Abschlüsse und Zertifikate. Alles andere ist sekundär oder sogar irrelevant.

Letztendlich ist eine Stellenanzeige vergleichbar mit einer Bestellung: Diese Person soll es bitte für unser Unternehmen sein. Auch wenn der Arbeitgeber letztendlich fast immer Zugeständnisse machen muss, geht es in der ersten Sichtung eben vor allem um den Abgleich zwischen Stellen- und Bewerberprofil. Ich spreche in diesem Fall von einer passgenauen Bewerbung, was bedeutet, dass Fach- und Führungskräfte mit einfach standardisierten Unterlagen heutzutage kaum noch Chancen haben.

Das Anschreiben spiegelt die Stellenanzeige

Der Stellenbezug muss insbesondere im Anschreiben klar erkennbar werden, in dem die Schlüsselbegriffe der Anzeige gespiegelt werden. Wer das nicht kann, weil er oder sie in diesen Bereichen eben nichts vorzuweisen haben, kann in diesem Moment die tatsächlichen Chance, eine Einladung zum Vorstellungsgespräch zu erhalten, bereits abschätzen: Sie sind nämlich sehr gering.

Im Lebenslauf können Bewerber etwas freier agieren, aber selbst in diesem Teil der Unterlagen wird die individuelle Anpassung auf die Stelle immer mehr zum Standard. Denn auch dort können Bewerber unterschiedliche Schwerpunkte und Akzente setzen – schließlich ist der Lebenslauf Teil einer (Be-)Werbung in eigener Sache und keine eidesstattliche Versicherung, dass das Leben genauso verlaufen ist. Es kommt auf die Perspektive an, die legitimer Weise variieren kann.

Die immanenten Schwächen von Lebensläufen

Der Lebenslauf weist allerdings einige immanente Schwächen auf, wenn er versucht, die Hard Skills, also die Kernbotschaft der Bewerbung, zu kommunizieren. Denn die Sortierung erfolgt in aller Regel nach Stationen, unter denen dann die wesentlichen Aufgaben und sonstigen Essentials zusammengefasst werden. An der Stelle geht eine ganze Menge Zeit verloren. Mitunter reicht sie gar nicht aus, um das Wesentliche zu erkennen, wie dieses Beispiel einer schlechten Darstellung zeigt.

Ich bin daher der Meinung, dass der Lebenslauf nur noch sehr bedingt geeignet ist, die fachlichen Fähigkeiten darzustellen. Schließlich soll er den Lauf des Lebens – zumindest den berufsrelevanten Teil – darstellen. Darüber hinaus stößt der Lebenslauf allerdings an schwer zu überwindende Grenzen. Deshalb entwickle ich seit Jahren mit meinen Kunden sogenannte fachliche Profile als exklusive Leistung unter Berliner Coaches.

Fachliche Profile machen Bewerbungsunterlagen erst so richtig aussagekräftig

Dabei habe ich mich von sogenannten „dritten Seiten“ und Portfolios von Protagonisten der Kreativszene inspirieren lassen. In diesen Profilen werden dann die wichtigsten fachlichen Kompetenzen – praktische Kenntnisse und Erfahrungen – zusammengefasst. Bei einer Key Account Managerin kann das Profil dann so ausschauen.

In den letzten Jahren habe ich eine hohe zweistellige Zahl solcher fachlichen Profile über Branchen und Karrierestufen hinweg entwickelt, stets individuell und in sehr unterschiedlichen Varianten. Wichtig ist vor allem, dass die Personaler die für sie relevanten Informationen in kürzester Zeit finden. Die Übersicht sollte daher sehr gut gegliedert und bestenfalls intuitiv verständlich sein.

Eine oder mehrere Profilseiten bieten sich nicht nur für erfahrene Bewerber an, sondern sind gerade für Berufseinsteiger von hohem Wert. Außerdem hilft ein solches Profil, wenn man zuletzt eine Auszeit vom Erwerbsleben genommen hat, weil diese Information dann nicht so sehr ins Auge sticht. Denn das Profil kommt in der Reihenfolge der Bewerbungsunterlagen gleich nach dem Anschreiben und noch vor den Lebenslauf.

Konzept ist arbeitsmarkterprobt

Nicht verschweigen möchte ich, dass diese zusätzliche Komponente der Bewerbungsunterlagen in der Praxis erprobt wurde. Oft – und auf dieses Feedback kann ich mich verlassen – wirkten die Profile so überzeugend, dass sie der Hauptgrund für eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch waren. Dabei sind sie noch längst kein Standard, in Bewerbungsratgebern findet man sie nur in vereinfachter oder abgewandelter Form.

Daher lohnt es sich sehr, solche Profile zu erstellen – auch wenn sich viele Bewerber schwertun, diese allein anzufertigen. Für einen Traumjob oder bei entsprechenden Karrierezielen lohnt sich die Investition aber allemal.

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