Von der Hochschule in den Arbeitsmarkt: Worauf es bei Absolventen besonders ankommt

Immer mehr Hochschulabsolventen sind in der Lage, sich ihren Arbeitgeber auszusuchen. Alle anderen können den Berufseinstieg schneller schaffen, wenn sie ein paar Grundregeln beachten.

Absolventen bei der Absolventenfeier

Das Ende eines Studiums geht oft einher mit Freude, Erleichterung und Stolz. Man darf feiern, schließlich wurde einem nichts geschenkt. Für die meisten Berufe ist der Abschluss auch die Eintrittskarte für das größere Spiel des (Berufs-)Lebens. Aber leider oft nicht mehr. Daher wäre es nachteilig, wenn man seinen erlangten Abschluss in den Vordergrund stellt, selbst wenn er erst zwei Wochen zurückliegen sollte. Das mag hart klingen, dient aber allein dem Zweck, Arbeitgebern gegenüber noch attraktiver zu erscheinen.

Einerseits, weil ein abgeschlossenes Studium – manchmal ist sogar das Fach nebensächlich – eben nur die Grundvoraussetzung für eine Junior- oder Trainee-Stelle ist. Andererseits, weil die meisten Unternehmen gewisse methodische Fähigkeiten – in erster Linie das analytische Denken und die systematische Selbstorganisation – sowieso mit dem Abschluss verbinden und anstatt dessen viel interessierter an bereits vorhandenen fachlichen Kompetenzen sind.

Das führt uns zur Grundregel Nummer eins: Definiere Dich als junger Arbeitnehmer und nicht als Absolvent. Dabei darf man sich nicht von Termini wie „Absolventenmesse“ oder „Stellen für Absolventen“ täuschen lassen, denn ihnen geht es nur um die Abgrenzung zu anderen Zielgruppen.

Unsicherheiten nach dem Abschluss

Manchen fällt es leicht, sich selbst nicht mehr als Absolvent zu sehen, anderen dagegen schwer. Besonders betroffen sind Graduierte der Kultur- und Geisteswissenschaften, die mitunter den Eindruck erwecken, als würden sie kaum auf das Arbeitsleben in der Privatwirtschaft, in denen oft andere fachliche Fähigkeiten verlangt werden, vorbereiten. Das führt dann mitunter zur Unsicherheit bei der Frage, wie es nun weitergeht. Schließlich haben die meisten Absolventen eine Menge an zeitlichen und häufig auch finanziellen Ressourcen investiert, und diese Investition soll sich nun auch lohnen.

Viele, wenn auch nicht alle, merken recht schnell, dass die unmittelbaren beruflichen Ziele vielleicht doch etwas zu ambitioniert waren – trotz zahlreicher einschlägiger Praktika, erstklassiger Referenzen und guten Kontakten. Das gibt einigen schon den ersten leichten Knacks. Bisher waren es diese Akademiker gewohnt, alles erreichen zu können, wenn sie nur hart genug dafür arbeiten. Das ist in Bewerbungsverfahren dann aber nicht mehr so, schließlich können Bewerber den Einstellungsprozess nur beeinflussen, aber nie kontrollieren. Manche Absolventen haben plötzlich das Gefühl: Ich kann machen, was ich will, habe damit aber keinen Erfolg.

Oft ist es ein neues Gefühl, das diese – selbst erfolgsverwöhnten – Absolventen bisher nicht kannten. Gerade deswegen tun die ersten Enttäuschungen ganz besonders weh. Daher lautet die zweite Grundregel: Akzeptiere, dass Du es nicht mehr allein in der Hand hast, was unmittelbar nach dem Studium aus Dir wird. Dadurch wird es leichter, Absagen schneller abzuhaken und sich neuen Zielen zu widmen.

Breites Bewerben bringt meist nicht viel

Apropos: Wo soll es eigentlich hingehen? Viele Studierende haben jahrelang Flexibilität gelernt und gelebt. Und, anders als etwa bei Medizinern, Ingenieuren und Juristen, deuten viele Abschlüsse eben nicht in eine klare Berufsrichtung. Was liegt also näher, als sich verschiedene berufliche Optionen offenzuhalten? Gerade weil doch Bewerber, die sehr breit aufgestellt sind, doch viel größere Integrationschancen in den Arbeitsmarkt haben dürften?

Genau da liegt allerdings ein Trugschluss, zumindest für die meisten Absolventen. Denn die dritte Grundregel besagt: Geh Deinen Weg auf Grundlage eines klaren Profils und vermeide es, Dich allzu breit zu bewerben. Wir leben nun einmal in einer Zeit, in der viele Unternehmen auf passgenaue Bewerber setzen – was man mit entsprechenden Studienschwerpunkten und Praktika nachweisen kann. Wenn nicht, wird es häufig ganz schwer, weil bei den besonders attraktiven Stellen naturgemäß auch die Bewerberzahl enorm ist.

Es kommt auf die Selbstvermarktung an

Bliebe noch das Selbstmarketing, also die individuelle Darstellung in den bekannten virtuellen sozialen Netzwerken, in den Bewerbungsunterlagen und im persönlichen Auftritt, vor allem in Vorstellungsgesprächen. Ein fehlendes Selbstvertrauen, ein unklares Verständnis der eigenen Fähigkeiten und eine unzureichende Auseinandersetzung mit den – für Coaches oft erkennbaren – jeweils konkreten Erwartungen der Arbeitgeber sind oft die entscheidenden Gründe, warum es dann nicht klappt.

Daher lautet die vierte Grundregel: Professionalisiere Deine Selbstvermarktung in allen Bewerbungsphasen. Aus jahrelanger Erfahrung weiß ich, dass genau das von vielen Absolventen unterschätzt wird – es reicht eben nicht aus, einen oder mehrere Bewerbungsratgeber zu lesen, wenn man sich gegen starke Konkurrenz durchsetzen muss. Daher auch die fünfte Grundregel: Je breiter Du Dich bewirbst, desto höher sind die Anforderungen an ein erfolgversprechendes Selbstmarketing.

Dabei geht es auch ums sogenannte Story Telling. Aber das werde ich ein anderes Mal diskutieren.

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